Rojachhof » Chronik

Rojachhof-WappenNördlich des antiken Teurnia liegt im weiten Tale am Fuße des Hühnersberges der vielbesuchte „Rojachhof“, der aus dem Schloss Neu-Leobenegg hervorging. Die Anfänge dieses Gutshofes, der nach dem Zweiten Weltkrieg als Pension-Restaurant eingerichtet wurde, reichen fast ein Jahrtausend weit zurück. Bereits im Jahre 1042 wird der „Rajachhof“ als zehentpflichtig an die freisingische Basilika St. Peter bei Freßnitz erwähnt, und als in den Weihnachtstagen 1252 der Friede von Lieserhofen geschlossen wurde, wird auch der „Rajachhof“ als Pfand an Philipp, den Erwählten von Salzburg, genannt.

Als Graf Ulrich von Cilli aufgrund eines Erbvertrages nach dem Aussterben der Grafen von Ortenburg 1420 diese Oberkärntner Herrschaft übernommen hatte, verlieh der neue Grundherr im Mai 1441 seinem getreuen Conrad Haspel für geleistete Dienste den „Masyerhoff zu Rayach als erbliches Lehen“. Haspel starb jedoch ohne Erben, so dass der „Rojachhof „ laut Heimfallsrecht wieder bald an die Grafschaft zurückging.

1509 berichtet eine Urkunde dass der „ehrbar und fürnembe Heinrich Auer“ als Hauser auf dem „Rojachhof“ aufscheine, der mit den Bauern von Zelsach – ober dem Hühnersberg – wegen einer Alm in Streit geriet; es ging dabei um die Grenzen, die Weidezeiten und die Stückzahl des Viehs zum Auftrieb.

Nach Anhörung einiger sachverständiger Beisitzer entschied der zuständige Landrichter, dass die Alm von den Grafen von Ortenburg herkomme und daher „ohne alles mittl dem Mayer zu Royachhof zugehe“, der bis zu 150 Stück Almvieh auftreiben könne.
 Seit 1524 sind die Grafen von Salamanca die Herren der Grafschaft Ortenburg. Darum hat 1528 Graf Gabriel Salamanca seinen „Hof Raiach mit allen stuckh und gueten seinem lieben Augustin Reinwald als Lehen übergeben“, – Nun blieben die Reinwald durch viele Jahre die Herren auf dem „Rojachhof“.

Um 1650 erwarben die Ritter von Leobenengg den „Rojachhof“ und seine Nachbargüter, den Reinwald-, Boden- und Steinwaldhof. Die Herren von Leobenegg hatten schon etwa 100 Jahre zuvor ihre alte Hochburg im Liesertale aufgegeben und waren in ein großes Haus am Fuße des Burghügels übersiedelt. Nun heiratete Johann Christoph von Leobenegg eine Maria Katharina von Reinwald, wodurch der „Rojachhof“ in den Besitz der Leobenegger kam. Diese bauten den Gutshof am Lurnfeld zu einem schönen Adelssitz aus und nannten ihn „Neu-Leobenegg“. Der „Rojachhof“ blieb durch 260 Jahre der Herrschaftssitz der Herren von Leobenegg. Sie waren Richter und Pfleger im salzburgischen Gmünd, Rechnungsführer und Richter in Klagenfurt und fungierten später auch als Anwälte und Hofrichter des Jesuitenordens zu Millstatt, bis der dortige Klosterbesitz 1773 vom Staat sälkularisiert wurde. _ Eine Grabtafel in der Vorhalle der Kirche St. Peter in Holz nennt noch 1836 einen Joseph Ritter Leobenegg als Besitzer der gesamten adeligen Güter.

Als spätere Eigentümer des „Rojachhofes“ scheinen der Reg.-Arzt Dr. Taurer, Herr Kapeller und von 1915 bis 1928 Anton Stotter auf. Seit 1928 sitzt die Schweizer Familie Traugott Rindlisbacher aus Landiswil im Kanton Bern auf dem „Rojachhof“. Dass die Rindlisbacher auf dem Lurnfeld eine neue Heimat fanden, hängt mit einem glücklichen Zufall zusammen. Herr Traugott Rindlisbacher, dessen Vorfahren in der Schweiz schon durch 700 Jahre auf dem gleichen Bauernhof sitzen, wollte eigentlich gar nicht Bauer werden. Er hatte zwar den Beruf eines Schuhmachers erlernt, sich aber bei der „Mission Suisse romande“ gemeldet, um Leprakranken in der Südsee zu helfen. Darum musste sich der junge Rindlisbacher 1915 im Diakonissenhaus „Salem“ in Bern bei der Gräfin Albine de La Tour vorstellen, welche die Waisenanstalten in Treffen bei Villach gestiftet hatte. Als Rindlisbacher 1920 mit noch drei Mann abreisen wollte, verweigerten die Engländer das Visum. Darum erhielt er von der Gräfin de La Tour das Angebot, in der Diaspora (= religiöse Minderheiten) die evangelische Jugendarbeit in Kärnten aufzunehmen. – So kam Traugott Rindlisbacher 1921 nach Kärnten und begann, die ihm übertragene Aufgabe im Liesertal, im Drautal, in Stockenboi und im Gegendtal mit großem Eifer zu erfüllen. Er sprach in zahlreichen Abendversammlungen und gründete 1925 in Seeboden den noch immer bestehenden Posaunenchor, den er auf eine Stärke von 30 Bläserinnen und Bläsern brachte.

Auf der Suche nach einem Bauernhof für seinen Schwager fand Rindlisbacher den „Rojachhof“, den die Bank für Kärnten 1927 zur Versteigerung ausschreiben ließ. Weil sein Schwager inzwischen bei Zürich selbst einen Besitz erworben hatte, ersteigerten Traugott und Lina Rindlisbacher 1928 selbst den damals total abgewirtschafteten „Rojachhof“; die Verwandten griffen ihnen dabei tüchtig unter die Arme. Die Almen und Waldungen des Gutshofes waren vom Vorbesitzer abverkauft worden, und die restlichen 7 Hektar Wald, fast zur Gänze abgeholzt, reichten nicht einmal zur Brennholzversorgung für den Hausbedarf. Mit viel Fleiß und Ausdauer aber hat hier die Familie Rindlisbacher nach Schweizer Muster die Milchwirtschaft mit Güllereibetrieb aufgebaut. Es wurden 32 bis 38 Milchkühe sowie 30 bis 40 Jungrinder gehalten; auch auf die Schweinezucht mit etwa 10 Mutterschweinen und Mast wurde großer Wert gelegt. Mit 8 bis 10 Pferden wurden im Sommer die Feldarbeiten und im Winter Holz- und Steinfuhren bewältigt. Der Anbau von viel Getreide und Silomais, die Pflanzung von Obstbäumen und die Entwässerung von 18 Hektar Moor und Nassflächen waren weitere Pioniertaten der Familie Rindlisbacher. In den folgenden Jahren wurde der „Rojachhof“ ein begehrtes Ziel für Exkursionen der landwirtschaftlichen Schulen, und die Landwirtschaftskammer hat ihn als Lehrbetrieb für Land- und Hauswirtschaftslehrlinge anerkannt.

Ab 1930 gelang es Herrn Rindlisbacher, jeden Sommer zwei Jugendlager mit 80 bis 120 Jungen und Mädchen im Alter von 14 bis 18 Jahren vom Christlichen Verein junger Menschen, einer evangelischen Jugendorganisation in Deutschland, für je vier Wochen Sommerurlaub am Hof unterzubringen. Ab 1933 war dies wegen der 1000-Mark-Sperre des Hitler-Regimes nicht mehr möglich.

Im Jahre 1954 wurde das Schloss renoviert und als Pension-Restaurant eingerichtet. Im Haupt- und Nebengebäude gab es nun 24 geräumige Zimmer mit Kalt- und Warmfließwasser, Etagenduschen und Etagenbad. 1971 wurde dem Schloss ein großer Zubau angefügt, in dem sich 20 Appartements, davon 10 mit Balkon, befinden. Zwei große Speisesäle, eine Bauernstube, ein Extrazimmer und eine Wohndiele mit offenem Kamin, alles mit gediegener, rustikaler Note, bieten den vielen Gästen behagliche Wohnlichkeit.

Der „Rojachhof“ wurde bis 1984 von Frieda und Traugott Rindlisbacher bewirtschaftet und 1985 von Elfriede und Traugott Rindlisbacher übernommen. Seither ist der Betrieb ganzjährig für Privatgäste und Freizeiten geöffnet und wird seit 1992 ausschließlich als Pension geführt.

Ende der achtziger Jahre erkannten wir die Notwendigkeit, die Zimmer im Schlossteil und Nebengebäude mit Nasszellen, Dusche und Toiletten nach zurüsten. Der Innenhof, wo die große Linde steht bekam ein schönes Steinpflaster und die Aussenfassade wurde nach alten Gemälden wieder auf den würdigen alten Charakter gebracht.

Die Hausglocke, welche seit dem Jahre 1841 auf dem Dach war, wurde durch eine neue Glocke ersetzt und läutet nun täglich zweimal mittels eines elektrischen Läutwerks.

Die Freizeitangebote „Spielsalon“ – Tischtennis – Landhockey – Wurfpfeilspiel – Dartspiel  – lassen selbst bei schlechtem Wetter gute Laune aufkommen. Beliebten Anklang finden auch die vielen Fahrräder, Kinderexpress und Go-Kart gehören auch zum großen Freizeitprogramm.

Für die Jugend gibt es nun eine eigene Unterkunft das „Hühnernest“, und sie ist der Renner auf dem Rojachhof.

Es bleiben keine Wünsche mehr offen, denn für Bibelabende, Seminare, Kinderarbeit, Chorarbeit und Theater- oder Bunte Abende gibt es den Speisesaal, das Extrazimmer und Stüberl, den „Hühnerstall“, die Tenne und den Park, wobei jeder unserer Gäste voll auf seine Kosten kommen kann.

Den vielen Gästen entgehen hier auch nicht die drei Zeugen einer interessanten Vergangenheit: ein Römerstein mit vornehmer Plastik an der Südwestecke des Schlosses, eine große römische Urne im Hof, aus der jetzt Blumen sprießen und ein Fresko an der Ostwand des Schlosses, das einen rauchenden Sultan mit Brief in türkischer Spiegelschrift darstellt.

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